Hallimasch: Das unsichtbare Wachstum sichtbar machen
Pilze sind die größten lebenden Organismen unseres Planeten, doch ihr eigentliches Wesen – das Myzel – bleibt dem Auge meist verborgen. Da ich eine große Affinität zu Pilzen besitze und das Sammeln zu meinen liebsten Beschäftigungen zählt, wollte ich diesen oft unterschätzten Wesen die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdienen. In Kooperation mit meinem Freund Johann Ginner, Chemiker und Mykologe, habe ich das spannende Projekt Hallimasch entwickelt. Über Wochen hinweg habe ich in einer eigens gebauten Kabine das Wachstum in einer Petrischale dokumentiert und dabei die feinen, pulsierenden Lebenszyklen dieser Organismen in kontrollierter Umgebung studiert
Zeitraffer-Dokumentation einer verborgenen Hallimasch-Welt
Um das Wachstum des Myzels begreifbar zu machen, entstanden Zeitraffer-Aufnahmen von sich entwickelnden Pilzsporen auf transparentem, gefärbtem und sterilem Substrat. In einer Stop-Motion-Animation zeige ich das Hallimasch-Myzel in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Diese Arbeit macht die enorme Dynamik und Kraft deutlich, die in den feinen Strukturen steckt, während sie sich ihren Weg durch den Nährboden bahnen. Die filmische Aufbereitung erlaubt es uns, eine Zeitspanne zu erfassen, die dem menschlichen Auge im Wald verborgen bleibt.
Ein kraftvoller Akteur im Ökosystem
Die Hallimasche befallen mit ihren weißen Fächermyzelien und schwarzbraun berindeten Rhizomorphen sowohl lebendes als auch totes Holz. Diese Flexibilität macht den Hallimasch zu einem gefährlichen Forstschädling, da er fast alle Gehölze – von Laub- und Nadelholz bis hin zu Reben – besiedeln kann. Mein Projekt beleuchtet diese Ambivalenz zwischen der ästhetischen Schönheit des Wachstums und der zerstörerischen Kraft des Pilzes im Forst. Es ist eine visuelle Untersuchung über Leben, Tod und die unaufhaltsame Transformation innerhalb unserer heimischen Natur.
Von der Dynamik des Wachstums zur skulpturalen Ästhetik
Während beim Hallimasch der Prozess und die Ausbreitung im Fokus stehen, widme ich mich in einem weiteren Projekt der rein visuellen Gestalt verschiedener Speisepilze. Auf tiefschwarz eingefärbtem Agar-Nährboden inszeniere ich Arten wie den Kräuterseitling oder den bizarren Igelstachelbart. Diese kontrastreiche Darstellung hebt die feinen Strukturen und die skulpturale Qualität des Pilzmyzels hervor und macht sie als eigenständige Kunstwerke sichtbar.
Entdecken Sie hier die Fotoserie über Kräuterseitling, Igelstachelbart.