Georg Kippes

Grafik • Kunst • Digital

Myzel: Die skulpturale Architektur des Unsichtbaren

Pilze sind die größten lebenden Organismen unseres Planeten, doch ihr eigentliches Wesen bleibt meist im Verborgenen. Da ich eine große Affinität zu Pilzen besitze und das Sammeln zu meinen liebsten Beschäftigungen zählt, wollte ich das oft unterschätzte Myzel ins Rampenlicht rücken. In Kooperation mit dem Chemiker und Mykologen Johann Ginner habe ich ein Verfahren entwickelt, um diese feinen Netzwerke sichtbar zu machen. Über Wochen hinweg dokumentierte ich in einer eigens gebauten Kabine die Entwicklung der Pilzsporen auf einem speziellen Nährboden, wobei das Licht jedes filigrane Detail präzise herausarbeitete.

Kontrastreiches Myzel-Wachstum auf schwarzem Grund

Das Besondere an dieser Serie ist die Inszenierung in einer Petrischale auf tiefschwarz gefärbtem, sterilem Substrat. Durch diesen extremen Kontrast treten die weißen Strukturen von Arten wie dem Kräuterseitling oder dem Igelstachelbart plastisch hervor. Was normalerweise im Verborgenen des Holzes geschieht, wird hier zu einer grafischen Offenbarung. Die Bilder zeigen das Myzel nicht nur als biologisches Phänomen, sondern als organische Architektur, die durch ihre Komplexität und  Schönheit besticht.

Myzel, Igelstachelbart, Druck auf Papier
Igelstachelbart-Myzel
Myzel, des Kräuterseitling, Quadratkilometer groß
Kräuterseitling-Myzel

Nahaufnahmen mit skulpturalem Charakter

Das Resultat sind Nahaufnahmen, die durch den harten Schwarz-Weiß-Kontrast fast wie gemeißelt wirken. Jede Verzweigung und jeder Ausläufer des Netzwerks wird in seiner skulpturalen Reinheit betont. Diese Fotoserie macht das Wachstum des Myzels nicht nur sichtbar, sondern begreifbar – als ein filigranes Kunstwerk der Natur. Durch die Dokumentation dieses Myzels schaffe ich eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Beobachtung und künstlerischer Interpretation.

Vom grafischen Moment zur zeitlichen Entfaltung

Während diese Serie die skulpturale Ruhe des Netzwerks einfriert, widmet sich ein weiteres Kapitel meiner Arbeit der Bewegung. In meinem Projekt über den Hallimasch gehe ich einen Schritt weiter und dokumentiere die fast schon aggressive Vitalität dieses Organismus in einer Stop-Motion-Animation. Erleben Sie, wie sich das Myzel seinen Weg durch den Raum bahnt und das Unsichtbare in einer zeitlichen Dimension greifbar wird.

Hier geht es zum Projekt Hallimasch: Wachstum im Zeitraffer

Igelstachelbart und Kräuterseitling, Fine Art Prints produziert für eine Ausstellung
Georg Kippes ist Mitglied von design Austria und Init CD – Corporate Design Qualitätsstandard